K l a s s i s c h e --D r e s s u r
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Die Geschichte der Dressur |
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Zuvor sei gesagt, dass die Bezeichnung "Dressur" für den Reitanfänger ein irritierender Begriff sein kann. Mit Zirkusdressur, also dem oftmals widernatürlichen Abrichten von Tieren für Show-Zwecke, hat reiterliche Dressur nicht das Geringste gemein. Sie dient dem ganz realen und sachlichen Zweck, die Tragkraft des Pferdes unter dem Reitergewicht zu stärken und seine Bewegungen über die Hilfengebung ohne Zwang beherrschen zu können. |
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Im Verlauf der Reitgeschichte stellte sich für den Reiter das vordringliche Problem, das Pferd in kriegerischen Auseinandersetzungen und auf der Lanzenjagd zum Gehorsam zu veranlassen, um dem Gegner gewachsen zu sein und heil davonzukommen. In der Regel wurden brachiale Mittel angewendet, um den Widerstand des Pferdes zu brechen und es dem reiterlichen Willen zu unterwerfen. Zwar mahnte schon in der Antike der griechische Reiterführer Xenophon, in seiner bis heute weitgehend gültigen Reitlehre, eine weitgehend zwangfreie Behandlung des Pferdes an, jedoch ist nicht überliefert, ob seine Erkenntnisse Früchte trugen. Erst in der Barockreiterei entwickelte sich ein weniger gewaltsamer Umgang mit dem Pferd, der sich bis in die Gegenwart auf ein grundlegend zwangfreies Reitverständnis steigerte, das im Sinne des Tierschutzes Gesundheit und psychisches Wohlergehen des Pferdes berücksichtigt. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob mit der Kommerzialisierung des Reitsports der Tierschutzgedanke in der Praxis nicht nur graue Theorie bleibt, sondern seine reale Entsprechung findet? |
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Die früheste, vollständig erhaltene Reitlehre verdanken wir dem griechischen Reiterführer Xenophon (430 - 355 v. Chr.), deren Substanz bis heute Gültigkeit hat. Schon zu jener Zeit plädierte Xenophon für eine natürliche, entspannte Körperhaltung des Pferdes innerhalb der Versammlung, die es nicht in eine widernatürliche Form zwingt, sondern ihm eine gelöste Haltung für die Gleichgewichtsfindung unter der Reiterlast ermöglicht. Er beschreibt einen Pferdetyp, der sich im Körperbau optimal für die reiterliche Versammlung eignet. Seine Beschreibung deckt sich exakt mit dem Erscheinungsbild des iberischen Pferdes, das auch in zeitgenössischen Bildwerken wiederkehrt. Schon damals standen iberische Söldner in griechischen Diensten, ihre iberischen Pferde wurden wegen ihrer Rittigkeit hochgeschätzt, die iberischen Reiter wegen ihrer Reitkünste bewundert und im Kampf gefürchtet. |
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![]() Relieftafeln aus dem Parthenonfries. Die Reiterei der Griechen war von Zwang und Gewalt geprägt, die Xenophon rügte und veranlasste, seine Reitlehre niederzuschreiben |
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Die Griechen, die im Gegensatz zu den Iberern kein gewachsenes Reitervolk waren, verfügten über erheblich kleinere Pferde, die dem arabischen Pferdtyp ähnelten, deren Körperbau sich kaum durch herausragende Rittigkeit auszeichnete und die dementsprechend gewaltsam mit scharfen Zäumungen in widernatürliche Form gezwungen und unterworfen wurden. So ist Xenophons Reitlehre auch als Kritik an griechischer Reiterpraxis zu verstehen. Dass Xenophon iberische Reiter und Pferde nicht ausdrücklich erwähnt, lässt den Schluss zu, dass diese in die griechischen berittenen Truppen bereits weitgehend integriert waren und als vorbildlich angesehen wurden. Xenophons Richtlinien, die vornehmlich auf die Beherrschung des Pferdes im Reiterkampf zielen, vermitteln gleichwohl die zweckfreie Grundlage des Reitens, die Wesenheit und Mentalität des Pferdes einbezieht und deutlich auf Gymnastizierung und Kräftigung des Tragapparates, psychische Unversehrtheit und körperliche Gesunderhaltung Wert legt, mithin Forderungen, die moderner nicht sein könnten. Sachkunde und Bescheidenheit zeichnen das Werk Xenophons aus, der nicht sich selbst, sondern seine Erkenntnisse und Erfahrungen in den Vordergrund stellt, im Gegensatz zu späteren Reitlehren, die häufig der Selbstdarstellung des Autors dienen. |
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Die Neapolitanische Reitschule Nach Xenophon vergingen nahezu zwei Jahrtausende, bis in Europa abermals eine Reitlehre veröffentlicht wurde, die wie Xenophons Richtlinien ebenfalls vornehmlich die dressurmäßige Abrichtung des Pferdes für den Reiterkampf behandelte. Im Mittelalter rannte der gepanzerte Ritter auf schwerfälligem Ross mit gefällter Lanze auf gerader Linie gegen den Gegner an, um ihn aus dem Sattel zu stoßen. Mit Erfindung der ersten Handfeuerwaffen in der Renaissance wandelte sich die Kampftechnik des berittenen Soldaten. Um der Kugel des Feindes ein unsicheres Ziel zu bieten, wurden Pferde leichteren Typs gebraucht, die sich durch flinke Wendigkeit im Reiterkampf Mann gegen Mann auszeichneten |
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![]() Federigo Griso bei Ausbildung eines Pferdes, Peitsche und Sporn leisten die Hauptarbeit (Darstellung aus dem 19. Jahrhundert). |
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![]() Anbetung der Pferde, der Herzog von Newcastle lässt sich feiern und schwebt auf dem Rücken des geflügelten Pegasus hinauf in gottähnliche Sphären. |
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Der Schlaufzügel, unselige Hinterlassenschaft des Herzogs, feiert bis in die Gegenwart Triumphe in Stümperhand. An anderer Stelle verwirft er alle Reitlehren vor ihm als falsch, bedient sich aber gleichwohl aus ihren Texten. Seine reiterlichen Erkenntnisse erschöpfen sich in der Verkürzung der Gangarten, in gekünstelten Lektionen rückwärts und in gewaltsamer Unterwerfung des Pferdes. Er rühmte sich, jedes Pferd zu striktem Gehorsam zwingen zu können, das bedeutet, dass er das Spiel mit der Angst betrieb und rüde Gewalt anwendete. Da der Herzog lebendig und amüsant zu schreiben wusste, fand sein Buch weite Verbreitung und stiftete viel Unheil auf Kosten des Pferdes, wie der bis heute nicht ausgerottete Schlaufzügel. Ohne die vorzüglichen Abbildungen hätte die Reitlehre wohl nicht bis heute überlebt |
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![]() Der Schlaufzügel, Erfindung des Herzogs von Newcastle, hier am Kappzaum eingeschnallt, ist bis in die Gegenwart eine Plage für das Pferd. Die hohe Verschnallung am Sattel (statt an der Unterbrust) und die widersinnige Abnickung der Kopf-Hals-Partie des Pferdes demonstrieren die rüde Reitmethode des Herzogs. |
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Der geniale Reitmeister |
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![]() Bei Eignung des Pferdes ermöglicht die Hankenbeuge Lektionen der Hohen Schule. |
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Er plädierte für die Gymnastizierung der Längsbiegung des Pferdes in den Seitengängen, um die Steifheit der natürlichen Schiefe auszuschalten. Die Lektion "Schulterherein" ist seine Erfindung, die zwar keine natürliche Bewegungsmechanik des Pferdes ist, die aber als Mittel zum Zweck der Biegsamkeit der Wirbelsäule nach beiden Seiten dient. Die Piaffe und damit die Hankenbeuge, die zu tragender Muskelstärke der Hinterhand führen und die Gleichgewichtsfindung unterstützen, betrachtet er als Grundlage aller anspruchsvollen Dressurlektionen, mit dem Ziel der Selbsthaltung des Pferdes. Seine Reitlehre fand einhellige Anerkennung in der Reiterwelt Europas und ist mit einigen Abweichungen bis heute richtungsweisend für die Spanische Hofreitschule in Wien. |
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Die scharfe Wirkung der barocken Kandarenkonstruktionen wurde durch den zusätzlichen Kappzaum abgemildert, der Druck nur auf das Nasenbein ausübte und das Pferdemaul verschonte. |
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Rückblickend betrachtet war die Entwicklung der Reiterei häufig von Irrtümern geprägt, die zu Lasten des Pferdes gingen, bis Erkenntnisse eines Guérinière dem Pferd aus reittechnischer Sicht zumindest grobes Ungemach ersparten. Reiten hatte im Sinne von Reitkunst eine gewisse Vollendung erreicht, jedoch war diese zur gleichen Zeit als anachronistischer Selbstzweck kaum noch gefragt und wurde vom Reiten als Mittel zum Zweck rasch überholt. |
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